Linie 8: Die Vorplanung steht, GlobalFoundries bleibt Zukunftsmusik

Die finale Variante für die Verlängerung der Linie 8

Nachdem ich über die Streckenvarianten zur Verlängerung der Linie 8 berichtete, ist nun das finale Ergebnis der Vorplanung da. Nach Abwägung der Strecken-Optionen und einem Gutachten zu Erschütterungen sowie Elektromagnetismus blieb am Ende nur ein Kompromiss übrig. Von der ursprünglichen Vision einer durchgehenden Anbindung bis zu GlobalFoundries wurde eine Option für später.

Warum die Blockumfahrung gewinnt

Die Straßenbahn wird künftig ab der Ludwig-Kossuth-Straße links in den Vorerlenweg einbiegen, der dafür von 8,50 auf rund 13,50 Meter verbreitert wird. Von dort verläuft die Trasse über bisher unbebautes Feld und den östlichen Grünstreifen der Rähnitzer Allee bis zur Wilschdorfer Landstraße. Genau hier, kurz vor der Kreuzung, biegt die Strecke nach links ab und endet südlich der Wilschdorfer Landstraße an der Knappsdorfer Straße.

Damit die neue Endstelle „Airportpark“ möglichst wenig in die im Bebauungsplan festgesetzten Baufelder eingreift, fiel die Wahl auf eine Blockumfahrung statt der traditionellen Dresdner Gleisschleife. Die Rückführung zur Rähnitzer Allee erfolgt eingleisig über die Knappsdorfer Straße und die Straße An den Ellerwiesen. Eine Gleisschleife hätte zwar etwas geringere Baukosten verursacht, wäre aber deutlich stärker in ein Grundstück eingedrungen, für das bereits ein Investor bereitsteht. Der Grundstückseigentümer positionierte sich klar gegen die Schleifenlösung.

Neue Haltestellen und das Ende der Gleisschleife Hellerau

Vier neue Haltepunkte sind im Rahmen der Verlängerung vorgesehen. Im Vorerlenweg findest sich der Ersatz für den ehemaligen Endpunkt „Kiefernweg“, unweit von Globus die neue „Rähnitzer Allee“ sowie an der Kreuzung Knappsdorfer Straße der Endpunkt „Airportpark“. Hinzu kommt eine spätere Option „An den Ellerwiesen“, welche später nach Bebauung der umliegenden Freiflächen realisiert wird. An den Haltepunkten entstehen zusätzlich Abstellplätze für Leihfahrräder und E-Scooter, um die letzten Meter zu den umliegenden Firmen zu überbrücken. Die bisherige Bushaltestelle „An der Bartlake“ wandert Richtung Osten und wird barrierefrei ausgebaut Teil vom Endpunkt „Airportpark“, damit der Umstieg zwischen Straßenbahn und den Buslinien 78 und 80 besser funktioniert.

Im Gegenzug verschwindet die bisherige Gleisschleife „Hellerau Kiefernweg“. Die rund 15.000 Quadratmeter große Fläche eignet sich der Stadt zufolge künftig für Wohnbebauung und soll separat entwickelt werden.

GlobalFoundries bleibt draußen vor – vorerst

Der eigentliche Knackpunkt der ursprünglichen Planung war die direkte Anbindung von GlobalFoundries. Doch genau hier ist die empfindlichste Stelle. Das Gutachten zu Erschütterungen und elektromagnetischen Immissionen kam zu einem eindeutigen Ergebnis: Eine Streckenführung entlang der Wilschdorfer Landstraße würde bei den dort ansässigen Firmen JenOptik und Fraunhofer IHI Grenzwerte reißen, die sich auch mit baulichen Kompensationsmaßnahmen nicht einhalten lassen. Diese Variante ist damit technisch ausgeschlossen.

Einzig eine Führung über Rähnitzer Allee in den nördlichen Robert-Bosch-Ring und weiter über die Radeberger Straße wäre demnach mit entsprechenden Kompensationsmaßnahmen realisierbar. Allerdings verweigerten die ansässigen Unternehmen ihre Zustimmung, weil sie um mögliche Erweiterungsflächen fürchten. Damit blieb am Ende nur die verkürzte Linienführung übrig.

Ganz vom Tisch ist das Ziel aber nicht: Der Stadtrat soll die Verwaltung beauftragen, Vorkehrungen zur Trassenfreihaltung für eine spätere Verlängerung bis GlobalFoundries zu treffen. Zwei Korridore bleiben dafür im Rennen: die eben erwähnte Vozugsvariante über den Robter-Bosch-Ring sowie die einzige Alternative über die Straße „An den Ellerwiesen“ und die Radeburger Straße. Beide erfordern Anpassungen an bestehenden Bebauungsplänen. Eine Neubewertung ist laut Vorplanung erst realistisch, wenn Klarheit über die Erweiterungspläne der Firmen besteht oder alternative Fahrzeugtechnik in Dresden für einen fahrleitungslosen (Teil-)Betrieb verfügbar ist.

Kosten, Zeitplan und das weitere Vorgehen

Für die verkürzte Verlängerung stehen 54 Millionen Euro im Raum, von denen knapp 40 Millionen über Fördermittel gedeckt werden könnten. Betrieblich rechnen die Dresdner Verkehrsbetriebe mit einem zusätzlichen Fahrzeug, 900 bis 1.200 neuen ÖPNV-Wegen pro Tag und jährlichen Mehrkosten von rund 0,9 Millionen Euro, denen Mehrerlöse von etwa 0,1 Millionen Euro gegenüberstehen. Wirtschaftlich rechnet sich das Projekt also nicht von selbst. Politisch gilt es aber als dringend notwendig, um den Airportpark und die dort Tausenden Arbeitsplätze überhaupt vernünftig ans Netz anzubinden.

Der Stadtrat stimmt im November über die finale Variante ab. Fällt die Entscheidung positiv aus, folgt ein zweijähriges Planfeststellungsverfahren, das wegen des nötigen Gleisbaus unumgänglich ist. Bis die ersten Bahnen tatsächlich durch den Vorerlenweg rollen, dürfte es also noch eine Weile dauern. Doch nach Jahren der Variantenprüfung ist wenigstens der planerische Rahmen jetzt gesetzt.

Kartenmaterial © OpenStreetMap-Mitwirkende | Quelle: SessionNet