Eine Flussreise von Köln nach Nürnberg

Eine Kreuzfahrt ist für mich der perfekte Mix aus Entdecken und Erholung. Doch das Jahr 2020 machte meine geplanten Reisen auf hoher See unmöglich. Eine bisher noch unvertraute Alternative war hier die Flussreise, welche mich über Rhein und Main führte.

Vorurteile und Klischees über Flussreisen gibt es viele und oft tragen Sie dazu bei, das Thema nur mit Samthandschuhen anzufassen. Auch bei mir war es ähnlich. Zwar wirkte auf dem Papier alles ganz idyllisch, doch den direkten Vergleich konnte bei mir immer das große Schiff mit der Vielzahl an Extras gewinnen.

Jeden Morgen wartet ein neues Panorama vor dem Kabinenfenster.

Doch Corona stornierte die bisherige Jahresplanung 2020 und so viel meine bisherige Vorzugsoption auf einmal weg. Ein klassischer Hotelurlaub für mehr als drei Tage kam trotz allem nicht infrage. Anlass um etwas neues zu probieren und den Fluss zu entdecken.

In 8 Tagen von Köln nach Nürnberg

Durch die gemeinsame Historie mit AIDA fiel die Wahl auf A-ROSA, ebenfalls ein Schiff mit Kussmund. Nach einer langen Zugfahrt bis Köln ging es unweit vom Hauptbahnhof direkt an Bord der A-ROSA Silva. Vier Decks, ein Restaurant, eine Lounge mit Bar, ein Sonnendeck, ein kleines Spa mit mini Cardio-Bereich, Massageräumen und eine (aufgrund von Corona) geschlossene Sauna – so lässt sich das Schiff kurz und knapp zusammenfassen.

Die Reiseroute führte uns von der Rhein-Metropole über Koblenz, durch das Mittelrheintal, nach Frankfurt am Main, Wertheim, Würzburg, Bamberg und Nürnberg. Was gleich zu Beginn auffällt: Bei der Flussreise ist der Fluss das Highlight und nicht die Angebote an Bord.

Besonders eindrucksvoll ist die Fahrt durch das Mittelrheintal mit seiner Vielzahl an Burgen.

Während bei AIDA zum Beispiel tägliche Unterhaltungsangebote, Poollandschaft, Theatrium und unzählige Restaurants samt Bars für Abwechslung sorgen und man die Kabine nur selten sieht, ist es hier anders. Die eigene Kabine mit französischem Balkon und einem gemütlichen Sessel ist der Dreh- und Angelpunkt der Reise, da die Lounge oft belegt und das Oberdeck aufgrund der vielen Brücken nur zu wenigen Zeitpunkten voll nutzbar ist.

Was für eine Flusskreuzfahrt spricht

Die Umgewöhnung fällt in den ersten Tagen etwas schwer, da keine umfangreiche Abendunterhaltung auf einen wartet. Doch die Liegeplätze der Schiffe sind immer direkt im Herzen der Stadt und meist ist man auch den ganzen Tag vor Ort. Dies sorgt für ein ganz anderes Kreuzfahrt-Gefühl, das sich rückblickend auch nicht wirklich vergleichen lässt.

Noch nie habe ich eine Kreuzfahrt gehabt, die so viele tolle Städte auf einer Route abdeckt. Jeden Tag gab es eine neue Metropole mit zahlreichen Sehenswürdigkeiten, Restaurants, Einkaufsmöglichkeiten und Rückzugsorten. Die langen Liegezeiten lassen eine ausgiebige Tagesgestaltung ohne Landausflüge zu und verschaffen ein intensiveres Erlebnis.

Eine von insgesamt 34 Main-Schleusen die es zu passieren galt.

Ein weiterer Pluspunkt, den nur eine Flusskreuzfahrt bieten kann ist die gemütlich vorbeiziehende Landschaft. Ich habe es genossen mit dem Buch in der Hand am französischen Balkon zu sitzen und ganz nebenbei die Ufer von Rhein und Main zu beobachten. Gerade Fotografie-begeisterte Menschen kommen hier voll auf ihre Kosten.

Die Schattenseiten einer Flussreise

Doch wo Licht ist, gib es auch Schatten. An Bord von A-ROSA Silva war das ebenfalls so. Wer gern Party macht, Abends möglichst viel Auswahl beim Essen haben möchte und tagsüber an Bord das volle Unterhaltungspaket sucht, wird hier nicht glücklich.

Bedingt durch die Größe des Schiffes gibt es auf dem Fluss immer einige Abstriche zu machen was die Unterhaltung betrifft. So findet sich hier keine richtige Disco und auch nur ein kompakter Lounge- & Bar-Bereich. Corona und die aktuellen Vorgaben schränken das überschaubare Angebot weiter ein.

Enge, Dunkelheit und modriger Geruch begleiten einen im Inneren jeder Schleuse.

Ähnlich ist es beim Abendessen. Anstatt dem klassischen Buffets gib es Menü nach Karte. Oft wird hier auch Rücksicht auf Vegetarier genommen, doch die Portionsgrößen sind sehr klein und so ausgelegt das man alle Gänge essen muss, um wirklich satt zu werden. Kann man aufgrund von Allergien zum Beispiel eine Vorspeise oder einen Hauptgang nicht zu sich nehmen, mangelt es hier an Alternativen.

Mein persönliches Fazit

Auf der Reise mit A-ROSA Silva habe ich viel gelernt und zahlreiche Vorurteile abbauen können. Der oft besagte Altersdurchschnitt ist etwas höher als auf AIDA, aber bei weitem nicht so schlimm. Gerade auf unserer Reise waren alle Altersschichten vertreten und man hatte nicht das Gefühl fehl am Platze zu sein.

Noch wichtiger war für mich die Erkenntnis, dass Flusskreuzfahrt der falsche Begriff für diese Art von Urlaub ist. Viel passender finde ich hier die Formulierung „Flussreise“, da ein Flussschiff kein Kreuzfahrtschiff im klassischen Sinne mit dem kompletten Angebot eines Ressorts ist. Viel mehr kann man es vergleichen mit einem schlichten Innenstadt-Hotel, dass einem gemütliche Zimmer und ein begrenzten Angebot an Mahlzeiten bietet.

Ein Blick auf die beschauliche Innenstadt von Bamberg.

Im Nachgang habe ich mich oft gefragt, ob es eine weitere Flussreise für mich geben wird? Auch wenn es in Zukunft nicht die erste Wahl für meinen Jahresurlaub wird, so kann ich mir doch gut vorstellen im Frühjahr oder Herbst drei bis vier Tage an Bord zu gehen.

Gerade die Donau zwischen Passau und Budapest bzw. der Rhein zwischen Amsterdam und Köln reizen mich sehr. Auf den beiden Routen gibt es viele Städte, die ich noch nicht besucht habe und zudem tolle Landschaften zu entdecken.

Bilder © kurz-gereist.de