Blick auf den Dom von Breslau

Bei den Zwergen in Breslau

Eine Stadt die schon lange ganz weit oben auf meiner Liste stand und bisher immer übergangen wurde, war Breslau (auf Polnisch Wrocław genannt). Warum die Reise in die Oder-Metropole sich lohnt und was Zwerge damit zu tun haben, verrate ich in diesem Artikel.

Von Dresden aus ist die Partnerstadt bequem mit dem Zug zu erreichen. Dank dem Dresden-Breslau-Spezial des Trilex reist man für 35€ hin und zurück, ganz ohne Zeitvorgabe (und leider auch ohne Sitzplatzreservierung). Nach etwas mehr als einer Stunde erreicht man den Umstiegsbahnhof im Örtchen Kohlfurt hinter der polnischen Grenze.

Der Hauptbahnhof von Breslau
Der Hauptbahnhof von Breslau

Dort erfolgt am gleichen Bahnsteig der Wechsel vom Trilex-Dieselzug in die Elektrozüge der Niederschlesischen Eisenbahn (Koleje Dolnośląskie). Das Ganze ist zeitlich gut abgestimmt und der Anschluss des Trilex wird auf jeden Fall abgewartet. Nach insgesamt 3:30 Stunden Fahrt erreicht man schließlich den wunderschönen Bahnhof von Breslau.

Schon beim Ausstieg begrüßt einen der industrielle Charme des 19. und 20. Jahrhunderts. Gusseiserne Stützpfeiler, kleinteilige Glasfenster und eine bunt gestaltet Holzdecke. Es lohnt sich einen längeren Aufenthalt am Hauptbahnhof von Breslau einzuplanen.

Wenn drei Tage fast zu wenig sind

Rückblickend hat sich der Besuch in Breslau definitiv gelohnt. Die Stadt hat so viel zu bieten, dass drei Tage kaum ausreichen, um alles zu sehen. Nur wenige Metropolen schaffen eine so faszinierende Verbindung aus Tradition und Moderne, ohne dabei die eigene Identität zu verlieren.

Der Rynek im Herzen der Stadt
Der Rynek im Herzen der Stadt

Jeder Teil von Breslau erzählt eine andere Geschichte, aus einer anderen Zeit, geschrieben von einem anderen Machthaber. Jeder ergänzte eigene Bauwerke und respektierte die Zeugnisse der Vergangenheit. Besonders bemerkenswert ist die Stadtreparatur nach dem Zweiten Weltkrieg. Alles, was damals durch Bomben zerstört wurde, haben die Polen liebevoll und detailgetreu wiederaufgebaut.

Vom Hauptbahnhof aus lohnt sich der Streifzug über den ehemaligen Burggraben, welcher heute als Parkanlage die Stadtbefestigung nachbildet, hin zum Rynek. Der zentrale Platz ist extrem farbenfroh und eine echte Augenweide. Wer das Ensemble gerne von oben genießen möchte, kann den Kirchturm der nahegelegen St. Elisabeth Kirche für einen Aufstieg nutzen.

Das Stadtmuseum am Rynek
Das Stadtmuseum am Rynek

Ebenfalls lohnenswert sind ein Besuch der Oper von Breslau und ein Abstecher ins Stadtmuseum. Generell sollte ein Besuch im Museum zum Pflichtprogramm in Breslau gehören.

Ein Kombiticket ermöglicht günstigen Eintritt in fast alle Ausstellungen und Museen der Stadt. Bemerkenswert ist zudem der Audio-Guide, welcher fast überall auf Deutsch und Englisch angeboten wird.

Auf der Suche nach den Zwergen

Wer nicht schon am ersten Tag drüber gestolpert ist, wird spätestens beim zweiten Hinsehen einen der vielen Bronze-Zwerge (auch Krasnale genannt) entdecken. Mehrere hundert Stück sind über das gesamte Zentrum verteilt und eng mit der Oder-Stadt verbunden.

Diese kleinen Figuren haben ihren Ursprung in der Protestbewegung der 80er Jahre und werden seit 2001 an den unterschiedlichsten Orten im Stadtbild platziert.

Ein seltener Anblick von drei Zwergen nebeneinander
Ein seltener Anblick von drei Zwergen nebeneinander

Während machen offensichtlich im Zentrum stehen, verstecken sich andere zwischen Häuserwänden oder auf Fensterbänken. Jeder Zwerg stellt dabei eine andere Pose dar, die einen Beruf, eine lokale Besonderheit oder einen Moment aus der Stadtgeschichte zeigt. Die Suche nach den Zwergen macht Spaß und ist die ideale Ergänzung zum klassischen Stadtrundgang.

Ein Tipp für alle Dresdner an dieser Stelle: Zwei Zwerge befinden sich direkt am Neuen Rathaus in Dresden. Sie wurden als Geschenk im Rahmen der Städtepartnerschaft überreicht und verbinden so beide Orte miteinander.

Ein Streifzug entlang der Oder

Wer genug vom historischen Zentrum gesehen hat, sollte als Nächstes die Oder-Inseln aufsuchen. Gleich mehrere liegen ganz unterschiedlich bebaut inmitten des Flusses und halten so manche Überraschung bereit.

Eine ist zum Beispiel die grüne Park-Insel, welche ganz ohne Bauwerke auskommt. Hier gibt es ausschließlich Bäume, Rasen und einen Spielplatz – ein idealer Ort zum Entspannen!

Blick auf die Aula Leopoldina
Blick auf die Aula Leopoldina

Von der Park-Insel aus kommt man auf kurzem Wege zu berühmten „Aula Leopoldina“, ein Universitätsbau aus Zeiten der Habsburger. Mindestens genauso eindrucksvoll ist die Markthalle direkt am Oder-Ufer. Bis heute werden dort täglich frische Waren gehandelt und ein reges Treiben ist vorprogrammiert.

Ein Ort für Verliebte ist die Dombrücke. Mehrere tausende Liebesschlösser hängen dort an den Geländern. Mit Blick auf die Sandkirche und den Breslauer Dom ergibt sich hier ein schöner Selfi-Spot.

Auf den Spuren der polnischen Geschichte

Ein ganz besonderer Ort für jeden Polen ist wohl mit Abstand das Panorama von Racławice. Hierbei handelt es sich um ein 360 Grad Panorama-Gemälde, das 1894 entstanden ist. Es zeigt die Schlacht von Racławice und stellt den Sieg der polnischen Armee über die Russen dar.

Es ist ein wichtiger Moment in der polnischen Geschichte und fest mit der Identität des Volkes verbunden. Eindrucksvolles ist das Kunstwerk nicht nur durch seine mehrdimensionale Maltechnik, sondern auch durch die ergänzenden 3D-Plastiken und Kulissen, welche einen tief in den Bann ziehen.

Das Panorama von Racławice in Breslau
Das Panorama von Racławice

Nicht weit vom Kunstwerk entfernt ist das ehemalige Gelände der Jahrhundertausstellung. Im Zentrum der Anlage steht die Jahrhunderthalle, eines der Hauptwahrzeichen von Breslau. Das Gebäude hat eine Spannweite von 65 Metern und ist UNESCO-Weltkulturerbe.

Wie durch ein Wunder hat die Ausstellungshalle den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden. Heute kann es mitsamt der umliegenden Bauwerke im renovierten Zustand besichtigt werden.

Die Jahrhunderthalle, ein Wahrzeichen von Breslau
Die Jahrhunderthalle, ein Wahrzeichen von Breslau

Wer anschließend noch Zeit hat, sollte sich den japanischen Garten und den Zoo von Breslau anschauen. Beide grenzen unmittelbar an die Jahrhunderthalle und sind ein willkommener Ausgleich auf dem Städtetrip.

Ganz zum Schluss habe ich noch einen Tipp in luftiger Höhe. Jeder der Breslau besucht, sollte mindestens einmal auf dem Skytower gewesen sein. Der gläserne Büroturm ist über 200 Meter hoch und ermöglicht bei klarem Wetter einen Blick bis ins Riesengebirge.

Die Qual der Wahl bei der Mobilität

Breslau ist ein Positivbeispiel beim Thema Mobilität. Das gut ausgebaute Straßenbahnnetz bringt einen an jeden Winkel der Stadt zum kleinen Preis. Die schönere Alternative in Sommermonaten ist aber das Leihfahrrad oder der eScooter. 

Von der Spitze des Skytower kann man das Riesengebirge gut erkennen
Von der Spitze des Skytower kann man das Riesengebirge gut erkennen

Beide gibt es in Breslau in Menge an jeder Straßenecke und werden rege genutzt. Die breiten Verkehrsachsen besitzen alle Fahrradwege in sehr gutem Zustand. Wer will, kann sich hier für wenige Euro am Tag auf Erkundungstour begeben. Da die Leihfahrräder jedoch relativ oft vergriffen sind, lohnt sich auch der Blick zum eScooter. 

Im Gegensatz zu den Deutschen Mietpreisen ist die Roller-Nutzung in Polen ein Schnäppchen. Für etwa 2-3€ kommt man entlang der Donau von der Markthalle zur Jahrhunderthalle. Weiterer Pluspunkt ist die Nutzungsmöglichkeit der Gefährte auf Fußwegen, was in unseren Breiten so nicht erlaubt ist.

Bilder © kurz-gereist.de